Aus der Praxis - Für die Praxis

Tanzetikette

Braucht Frau denn so was, habe ich mich erst gefragt. Doch dann erinnerte ich mich an meine "Fettnäpfchen" und daran, wie dankbar ich denen war, die mich vor weiteren "Fehltritten" durch Rat und Informationen bewahrten.
Anfangen werde ich da, wo es bei den meisten beginnt: die Familienfeier, das Fest guter Bekannter.
Wir haben mit Erfolg einige Kurse absolviert, fühlen uns voller Kreativität und sind geschmeichelt nun mal unser "Können" zeigen zu dürfen.
Zum ersten ist da die Gage. Was hat denn nun das Geld mit Etikette zu tun, fragen sich erst mal viele. Sehr viel, denn das ist oft schon der erste Schritt, mit dem wir anderen Tänzerinnen auf die Füße treten. Sicher ist es unsere Sache was wir unserer Familie berechnen (oder auch nicht) ? bei Bekannten, Nachbarn sieht es dann schon anders aus. Wo ist die Grenze?
Nun wir sollten uns überlegen: was haben wir in den Tanz investiert, in Kostüme, Musik etc., rechnen dann unter Einbeziehung dieser Fakten unseren "Selbstkostenpreis", stellen diesen in Relation zum normalen Preis (entsprechen Anlass und Region), dann haben wir eine gute Basis, auf der wir "Nachlässe" für gute Freunde berechnen können. Prinzipiell gilt, lieber einen Tanz als Geschenk machen, als den Tanz verramschen.
Dass wir, dem Anlass entsprechend gekleidet zum Auftritt kommen (bei einem Ball eben nicht in Jeans), vorher' abklären wo wir uns umziehen (Toiletten sollten immer tabu sein ? lieber im Kostüm schon hinfahren), was wir benötigen hat nichts mit Zickigkeit zu tun, sondern zeigt den Auftraggebern, dass wir als Tänzerinnen ernstgenommen werden müssen.
Auftrittsverhandlungen bestätigt eine Tänzerin im allgemeinen = zur Vermeidung von Missverständnissen, kurz schriftlich, auch wenn kein ausdrücklicher schriftlicher Vertrag geschlossen wird.
Trinkgelder sind im Orient üblich. Der Gebende zeigt, dass es ihm was wert ist, den Tanz zu genießen, aber auch, dass er es sich leisten kann Trinkgeld zu geben. Es verärgert somit den Zuschauer, wenn die Tänzerin das Geld nicht annimmt. Natürlich rennt frau nicht, wenn jemand mit dem Schein winkt, das kann man durch ein "zufälliges" vorbeitanzen erledigen. Geben Sie auch dem Gast Gelegenheit ? wenn er will ? ihnen das Geld in Ruhe anzustecken und versuchen sie nicht dabei weiter zu tanzen. Der Gast möchte seine Freigiebigkeit genießen (oftmals auch auf einem Foto verewigt wissen). Dem Gast das Geld aus der Hand nehmen ist übrigens schlechter Stil, um nicht zu sagen dreist. Bei deutschen Gästen sollten Sie es vorher dem Veranstalter kundtun, falls sie es nicht wünschen, dass man Ihnen Trinkgeld zusteckt.
In vielen Regionen des nahen Ostens ist es üblich und feste Tradition, dass die Tänzerin bei einigen Gästen auf dem Tisch tanzt. Es wäre eine Beleidigung eine Einladung dahingehend abzulehnen (vergessen Sie nicht, Ehre ist in all diesen Ländern etwas ganz wichtiges). Wenn Sie es durchaus nicht wollen, klären Sie das vorher und verzichten Sie gegebenenfalls auf den Auftritt. Sie sollten jedoch niemals unaufgefordert auf den Tisch gehen. Auch die Verweildauer sollte sich daran orientieren, inwieweit der Tisch ihnen absolute Aufmerksamkeit schenkt ?längeres Verweilen sieht nach "Geldschinden" aus. Übrigens, lassen Sie sich beim Hoch- und Heruntersteigen helfen und es ist durchaus ok, wenn sie darum bitten Kerzen und Essen beiseite zu räumen.
` Sollten Sie zu einer türkischen Hochzeit gebeten werden und mit Kassette arbeiten, kalkulieren Sie ausreichend Zeit ein, damit Sie die Tische aller wichtigen Gäste besuchen können.
In einigen Clubs (besonders türkischen) ist es als Anerkennung ihrer Leistung üblich, dass ein Gast eine oder mehrere Flaschen Sekt spendiert. Diese werden an der Bühne geöffnet und es wird Ihnen ein Glas gereicht. Prosten Sie dem Spender zu, nehmen Sie einen Schluck und stellen Sie das Glas wieder ab. Kein Mensch verlangt, dass Sie mehr trinken. Ab und zu mögen Sie auch mit der Sitte des "Alkoholverbrennens" konfrontiert werden (nur in Nachtclubs). Eine Flasche teuren Getränks wird so präpariert, dass sie "vor sich hin brennt". Das kann zu großer Hitze auf der Bühne führen ? nehmen Sie es in Kauf und bedanken Sie sich für die Ehre. Ebenso sollten Sie mit Tellerscherben bei griechischen Gesellschaften verfahren (nie ohne Schuhe auftreten!).
Sollte Ihnen ein Schein (egal wie groß er sein mag) des Trinkgeldes herunter fallen, heben Sie ihn nie, niemals auf l Es wäre ein riesiger Prestigeverlust ? für sie und alle Tänzerinnen.
Je nach Anlass und Organisation, ist es üblich das Trinkgeld mit dem Orchester und oder Haus zu teilen. Hier gelten im allgemeinen folgende Regeln: bei Türken 1 /2 Orchester, 1 /2 Tänzerin (Tänzerin nimmt das Geld mit in die Garderobe und teilt dann ? bitte ehrlich bleiben); bei Arabern (nur in Nachtclubs, sonst wie bei Türken) 1 /3 Tänzerin, 1/3 Orchester, 1/3 das Haus. In diesem Falle lässt die Tänzerin das gesamte Trinkgeld an einem vorbereiteten Platz (Sektkübel oder ähnliches) auf der Bühne, bevor sie in die Garderobe geht, wobei hier die Regel gilt, dass die Tänzerin soviel Trinkgeld einspielen muss, dass das Drittel die Höhe ihrer Gage deckt (hart oder?). Dies sind feste etablierte Abläufe, gegen die man nicht anrennen oder verstoßen sollte.
Generell sollten Sie jedoch bei Gagenverhandlungen im Hinterkopf behalten: Gage ist das Honorar für unsere Leistung, Trinkgeld ist ein Extra, lassen Sie sich hier nicht einwickeln.
In diesem Sinne viele gute Auftritte und natürlich viel Erfolg

Reyhan

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Orienta-Club-Nachrichten I - Frühling 2000

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