Aus der Praxis - Für die Praxis 2

Tanzetikette 2

Was denn, Auftritte weitergeben, da sollen versteckte Fettnäpfchen sein? Achtung, sie sind gut versteckt aber dennoch finden sie einige recht trittsicher.

Da wäre Tänzerin XX, sie ist gut im Geschäft und an den Wochenenden hat sie oft so viele Anfragen, dass sie sie selbst nicht erledigen kann. Was, tun, den Anrufern sagen, frau hätte keine Zeit? Sicher eine Möglichkeit, schnell erledigt. Doch was wäre, wenn das nun doch eine "Superconnection" ist, fragt sich Tänzerin XX, wer weiß, vielleicht ändert sich bei den anderen Jobs ja noch was. Also sagt sie einfach mal zu. Das tut sie mit diversen Gigs für den Abend, als ob sie sich zerteilen könnte. So ca. zwei Tage vor dem Termin sichtet sie nun ihre "Sammlung": die guten ins Töpfchen, die schlechten.....na, da finden wir doch jemand, irgend jemand..... Der Auftraggeber wird dann mit einer wachsweichen Erklärung vor die Tatsache gestellt, dass nun eben Tänzerin Y kommt. So weit so gut, ist das aber fair? Dem Markt Jobs zu entziehen, sie zu horten und dann gönnerhaft weiterzugeben.

Nun, es ist mit Sicherheit recht grenzwertig. Sind die "Ersatztänzerinnen" wirklich gut, entsprechen sie etwa den Vorstellungen der Kunden, erledigen sie den Auftrag zur Zufriedenheit? Falls das bejaht werden kann ist zu mindestens von Seiten des Auftraggebers her nichts einzuwenden. Doch was ist, wenn nun die "Ersatztänzerin" aus irgendwelchen Gründen auch nicht kann, kann sie ihrerseits den Auftritt einfach weitergeben, so nach dem Motto "Ringlein, Ringlein, du musst wandern"?

Sicher sollte hier erst mal wieder mit Tänzerin XX Kontakt aufgenommen werden, es war ja ursprünglich ihr Job, sie hatte mit dem Auftraggeber Kontakt, vielleicht hat sie noch eine andere Tanzfreundin, der sie den Job zukommen lassen möchte. Auch ist es ihre Sache sein, den Auftraggeber über die "Umbesetzung" zu informieren.

Nehmen wir nun an Tänzerin Y hat den Job angenommen, alles lief wunderbar, die Auftraggeber, ein Veranstalter, der in regelmäßigen Abständen eine Tänzerin benötigt, fragt sofort nach einem Folgeauftritt. Nimmt Tänzerin Y doch gerne an, sie hat es ja verdient, oder? Gibt es da doch leise Zweifel, eigentlich ist sie ja nur eingesprungen. Ganz korrekt wäre auch hier die Aussage: "Danke, es freut mich sehr, dass Ihnen meine Show gefallen hat, ich würde auch gerne mal wieder bei Ihnen tanzen, jedoch war ich nur als Vertretung für XX hier, Sie sollten das mit meiner Kollegin abklären, falls sie mal wieder nicht kann, komme ich gerne." Auch wenn manche Veranstalter oder Wirte tun als ob sie das nicht verstehen, so ist es hier oft der Unmut, denn Solidarität und kollegiales Verhalten unter Tänzerinnen gefällt der "anderen Seite" oft gar nicht.

Für einen Auftritt, den man von einer Kollegin bekommt, bedankt man sich - sorry, aber es gibt noch immer Verhaltensweisen, wo frau so tut, als sei es eine große Gnade, dass die Kollegin ihr die Möglichkeit bietet Geld zu verdienen. Dieses Bedanken sollte in der Regel ein Gegenauftritt, eine kleine Aufmerksamkeit, ein Sträußchen oder je nach Größe des Auftritts auch ein oder mehrere Scheine sein. Hat man selbst so wenig Arbeit, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass man einen Auftritt zurückgeben kann, so sollte das Dankeschön eben anders ausfallen.

Hier noch ein paar offene Worte an Schülerinnen in den Kursen. Die ersten Auftritte wurden mit Bravur gemeistert, man freut sich, hat jedoch tierischen Angst, vor der Dozentin. Wie wird sie reagieren, wenn sie erfährt, dass die Küken flügge werden? Da ist es doch besser sich gegenseitig zu unterstützen, sich heimlich Auftritte hin und her zu schieben, klar, wenn dann doch mal was von der Dozentin kommt, freut man sich umso mehr. Aber auch mal was zurück geben? Wie , die ist doch viel zu teuer? Haben Sie denn gefragt? Es ist doch so, und da spreche ich sicher vielen Dozentinnen aus der Seele, dass Tanzunterricht viel mehr bedeutet als nur Technik und Schritte weiterzugeben - es ist nicht mit dem Verkaufen einer Ware zu vergleichen, es geht immer ein Stück Seele mit. Wenn dann die Frauen, denen man über Jahre viel gegeben hat, aus welchen Gründen auch immer, an der Dozentin vorbei ihre Auftritte schieben, ist das doch sehr verletzend. Denken Sie daran, wenn sie mal wieder einer Mitschülerin einen Job abgeben wollen. Ihre Dozentin tanzt sicherlich viel besser, wird jedoch sicher fair zu Ihnen sein, hätte Sie Ihnen sonst etwas beigebracht?

Eine andere coole und faire Lösung beim Weitergeben von Auftritten, ist die Möglichkeit von vorneherein zu sagen, ich möchte für die Vermittlung xx DM. Angemessen sind bei kleineren Jobs bis so ca. 400,-- etwa 50,00 bei größeren Sachen entsprechend mehr. Diese Lösung ist gradlinig und überlässt es der anderen Tänzerin darauf einzugehen oder nicht.

Dies ist ja auch der Fall bei Agenturen. Bis vor einig Jahren war die Vermittlung von Künstlern noch Monopol des Arbeitsamtes. Mittlerweile dürfen das auch Agenturen tun. Natürlich gab es auch schon vorher Agenturen, doch wurde der Vertrag direkt zwischen Künstler und Vermittler geschlossen. Das hatte oft den Nachteil, dass die Künstlerin ihrem Geld, das die Agentur schon kassiert hatte, hinterher laufen musste und oft genug nie bekam.

Hat man nun eine Agentur gefunden, so sollte man sich auch peinlichst an die Vereinbarungen halten, dies gilt insbesondere für Folgeauftritte. Der Spruch: "Buchen Sie mich doch demnächst direkt, so können wir beide die Provision sparen." Ist nicht nur unprofessionell und ungehörig, sondern auch äußerst dumm: Denn diese Tänzerin ist ganz schnell weg vom Fenster. Also bei Folgeauftritten nicht an die Mark von heute denken, sondern an die Hundert, die vielleicht morgen zu verdienen sind. Nun, viele schöne Auftritte, ob sie nun direkt oder über Dritte kommen,

Wünscht Ihnen

Reyhan

In der nächsten Ausgabe geht's weiter mit "der Tänzerin im Zuschauerraum".

Mehr zum Orienta-Club inclusive der Orienta-Club-Nachrichten gibt es unter:

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