Vereinigte Arabische Emirate

von
Meissoun

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Reisebericht Vereinigte Arabische Emirate

Wenn es in Europa so richtig kalt und nass ist, ist die richtige Zeit, in
die VAE zu reisen. Im Januar 2001 machte ich mich deshalb (schon zum 3. Mal)
auf ins Land der Männer in Nachthemden.

Das Land bietet vieles für verschiedene Interessen: Shopping, Wüstensafari,
Strand, Nachtleben... Naja, mit der Kultur ist es nicht so weit her.

Die Emirate sind in den letzten 30 Jahren erbaut worden ­ nein eigentlich
müsste es heissen, werden seit 30 Jahren erbaut, denn die Bauerei nimmt kein
Ende! Seit meinem letzten Besuch in Abu Dhabi und Dubai vor 5 Jahren hat
sich sehr viel verändert. Früher lag das Jebel Ali Hotel weit ab vom Schuss
­ heute zieht sich die Industrie- und Gewerbezone von Dubai bis dort hin und
sogar noch weiter. Die Corniche in Abu Dhabi ist durch aufgeschüttetes Land
um das Doppelte verbreitet worden. Um die Stadt herum sind Siedlungen
entstanden, die vom Staat finanziert sind und Einheimischen (die nur ca. 20%
der Bevölkerung ausmachen) kostenlos zur Verfügung stehen.

Dass das Image des Einkaufsparadieses Emirate leider nicht mehr stimmt,
musste ich schon am ersten Tag merken. Der Dirham ist an den Dollarkurs
gebunden ­ weshalb zur Zeit meines Besuchs sozusagen alles gleich teuer war
wie in der Schweiz. Die einzigen Orte, wo man sich ein Schnäppchen ergattern
kann, sind indische Läden. Aber es gibt eine Unmenge von Shopping-Malls nach
westlichem Standart, wo man sich auch einfach nur mal umschauen kann.
Sozusagen sämtliche uns bekannten Marken sind vertreten ­ und auch IKEA
kommt gross raus! Natürlich gibt es noch die kleinen Souks, wo man in den
Gassen flanieren kann und zum Teil kurioses entdeckt, wie z.B. dass auch
Henna sich besser Verkauft, wenn Szenen aus “Titanic³ auf der Packung
aufgedruckt sind...

Also dann doch lieber raus in die Wüste. Während man früher schon bald in
den Dünen war, fährt man heute erst mal ein gutes Stück weit. Auf beiden
Seiten der Strasse sind neue Felder zu sehen, man ringt der Wüste Land ab,
das bewässert wird, um es für die Landwirtschaft zu nutzen. Man kann nicht
gerade von üppigem Grün reden, aber der Aufwand ist doch beeindruckend.

Schliesslich ist kommt man dann aber doch in die Dünen. Ich habe eine der
klassischen Wüstensafaris gebucht, wie sie die meisten Tour Operators im
Angebot haben (Preisvergleich lohnt sich): Erst mal Dune-Bashing, das heisst
rauf auf die Düne mit dem Geländewagen und dann auf der anderen Seite mit
voller Pulle runter, um die nächste Düne wieder raufzukommen. So eine Art
Achterbahn. Schliesslich Ankunft im Wüstenlager. Dort stehen Zelte und eine
grosse Ebene Fläche bereit. Während das Abendessen vorbereitet wird,
vergnügen sich die Touris aus Kanada, Indien und der Schweiz mit Kamelritten
und Sandboarding. Auf letzteres hab ich mich besonders gefreut!

Wenn dann die Sonne untergeht, setzt man sich am besten fern des Trubels in
den Sand und geniesst die besondere Stimmung.

Dann wird¹s schnell kühl (Jacke nicht vergessen!), und das Programm geht
weiter mit Bauchtänzerin und libanesischem Büffet. Schliesslich hat man die
Gelegenheit, den eindrücklichen Nachthimmel in der Wüste auf sich wirken zu
lassen.

Wer seine Tänzerin lieber ohne Sand in den Schuhen sehen will, hat dazu
genug Gelegenheiten. Die meisten grossen Hotels bieten Tanzshows, oft im
Libanesischen Restaurant. Dort ist es übrigens dank Air-Condition fast
genauso kalt wie in der Wüste! Und nicht vergessen: Raks Sharki ist ein
importiertes Vergnügen und hat mit den lokalen Tänzen nichts zu tun. Es ist
jedoch sehr schwierig, einheimische Tänze (alles Gruppentänze) zu sehen.
Eher noch tanzende Männer, die gerne Säbel oder Gewehre als Accessoire
benutzen. Frauen sieht man nur an hohen Feiertagen oder bei Hochzeiten
tanzen. Ich musste mich schlussendlich damit begnügen, zwei Gemälde im
Kulturzentrum zu fotografieren!

Der Tanz der Frauen wird hier übrigens nicht “Saudi³ oder “Khaliji³ genannt.
Man befinden sich ja am Khalij ­ dem Golf, und alle einheimischen Tänze sind
quasi Khaliji ­ vom Golf. Mein einheimischer Bekannter nennt den Frauentanz
“Na¹ashat³.

Die Tanzkleider gibt es nur im Sharjah-Souk zu kaufen. Eine genaue Adresse
habe ich nicht, aber der Laden (im Erdgeschoss) hat ein Kleid im
Schaufenster. Ich habe jedes Mal grössere Mengen eingekauft und konnte den
Preis gut runterhandeln. Bauchtanz-Kostüme könnt Ihr übrigens vergessen! Die
paar wenigen, die ich gesehen habe, waren so schlecht, dass sie keinen
Gedanken wert sind. Hingegen gibt es Stoffe und Zutaten zu kaufen.

Wer sich für alte “Steinhaufen³ interessiert, der hat nicht viel zu sehen.
Alles was älter als 50 Jahre ist, ist quasi dunkle Vorzeit. In Dubai gibt es
ein liebevoll gestaltetes kleines Museum, das Szenen aus der Zeit
nachstellt, als die Küstenbewohner am Persischen Golf noch Perlentaucher
waren und in kleinen Holzhäusern wohnten.

Heutzutage prägen Wolkenkratzer das Stadtbild, wie hier am Dubai Creek.

Neben all den grossen Glaspalästen nehmen sich die kleinen Moscheen doch
recht bescheiden aus, wie diese hier in Abu Dhabi.

Doch die Befolgung des Islam wird trotzdem hoch gehalten. Neben den
Einheimischen gibt es auch viele Einwanderer aus dem Mittleren Osten,
Pakistan, Afghanistan usw. Es empfiehlt sich also in jedem Falle,
“anständig³ gekleidet aus dem Haus zu gehen. Kopftuch ist nicht zwingend,
aber ratsam, um sich vor der Sonne zu schützen.

Nach all den Aufregungen ist es dann Zeit für einen Tag am Meer. Kein
Problem, die VAE haben wunderbare, saubere Strände und Pool-Anlagen. Im
Januar war das Meer allerdings kalt, und es windete stark. Im Dezember waren
die Temperaturen angenehmer.

Ganz allgemein würde ich empfehlen, eher nach Dubai zu reisen. Die Stadt hat
mehr Charme als Abu Dhabi ­ soweit das bei all den neuen Wolkenkratzern
überhaupt möglich ist ­ und bietet mehr Abwechslung, vor allem auch, was die
Abendunterhaltung angeht. Wer sich für den arabischen Raum interessiert,
aber keinen Dreck mag und nicht auf Komfort verzichten will, ist in den
Arabischen Emiraten bestens bedient. Und wenn einem all der Glanz auf die
Nerven geht, bleibt ja immer noch die Wüste!